Produkte des Grundbedarfs sind krisenfest und durch nichts zu erschüttern. Was zum täglichen oder zumindest regelmäßigen Verbrauch im Alltag zählt, ist nicht konjunkturabhängig, sondern wird im Groben und Ganzen kontinuierlich konsumiert. Keine großen Erschütterungen zu erwarten für Unternehmen, die in diesem Bereich angesiedelt sind. Das klingt aus Anlegersicht natürlich herrlich sicher. Aber gilt das wirklich immer?

Gerade bei einem Lieblingsverbrauchsgut der Deutschen waren die letzten zwei Jahre alles andere als stabil und stetig. Es geht um’s Bier. Das Geschäftsmodell eines Brauereikonzerns ist klar und verständlich: Die Produkte gehören zu den hochfrequentierten Konsumprodukten des alltäglichen Bedarfs. „Gegessen und getrunken wird immer“ – gerade in einer Wirtschaftskrise könnte das Bier besonders fließen, sollte man impulsartig denken. Aber wo nicht gefeiert wird oder zumindest Menschen zusammenkommen dürfen, wird auch nicht so viel Bier getrunken wie zu „normalen“ Zeiten.

Anheuser-Busch InBev (AB InBev), mit Sitz in Löwen, Belgien, ist der größte Brauereikonzern der Welt. Er entstand 2008 durch den Zusammenschluss der belgisch-brasilianischen InBev-Gruppe mit dem US-Brauereikonzern Anheuser-Busch. Heute ist AB InBev mit rund 200.000 Mitarbeiter in über 50 Ländern die weltweit führende Brauereigruppe und zählt zu den fünf größten Konsumgüterherstellern der Welt.

Der Konzern vertreibt mehr als 500 Marken in über 100 Ländern, darunter die globalen Premium-Marken Beck’s, Stella Artois, Corona und Budweiser. Weltweit belegt AB InBev in 19 Schlüsselmärkten mit seinen Produkten die Positionen eins oder zwei – mehr als jedes andere Brauereiunternehmen. Mit der Übernahme des vormaligen Konkurrenten SABMiller im Jahr 2016 ist die Marktführerschaft des Konzerns heute gefestigter denn je.

Harte Zeiten für den Bier-Giganten

Schon vor Corona stand AB InBev unter erheblichem Druck. Viele Aktionäre waren mit dem Wachstum nicht mehr zufrieden und auf einmal störte sie auch der Schuldenberg, den das Unternehmen seit der SABMiller-Übernahme vor sich herschob. Auch die Dividendenkürzung als eine Maßnahme zur schnelleren Schuldentilgung machte die Stimmung am Markt nicht unbedingt besser. Und dann kam Corona. Die Pandemie bescherte dem Unternehmen einen noch nie dagewesenen Ergebniseinbruch.

Letzte Woche legte AB InBev seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2021 vor. Dank der Lockerungen in vielen Regionen konnte sich das Geschäft wieder spürbar erholen. Die Geschäftsentwicklung, die das Management für das Gesamtjahr erwartet, müsste ebenfalls positiv stimmen. Dennoch legte der Aktienkurs, der sich von Ende Februar bis Mitte Juli eigentlich ganz gut erholte, erneut den Rückwärtsgang ein. Der Grund: „Mr. Market“ hätte einfach mehr erwartet.

In den Startlöchern für die Zeit nach der Pandemie

Ohne Corona wären die Weichen für Wachstum längst gestellt. Dabei spielen jegliche Arten von Großveranstaltungen – seien es Musikfestivals, Konzerte oder Sportveranstaltungen – für das Geschäft des Brauereikonzerns eine zentrale Rolle. In vielen europäischen Ländern und auch anderswo auf der Welt waren und sind große Teile der Veranstaltungslandschaft abgesagt – oder sind aktuell im besten Fall mit stark reduzierten Zuschauerzahlen möglich. Diese Umsatzeinbußen haben natürlich auch bei AB InBev stark zu Buche geschlagen.

Aus dem Hauptsponsoring für die Olympischen Spiele in Tokio wurde beispielsweise leider nichts (ohne Zuschauer kein Absatz), aber es werden auch wieder bessere Zeiten für den Bier-Giganten kommen. In Großbritannien könnte es schon bald einen Schub geben. Die dort aufgehobenen Corona-Maßnahmen führen wieder zu gefüllten Fußballstadien. Für AB InBev bedeutet dies, dass dort ordentlich Budweiser – eine der drei globalen Premium-Marken – ausgeschenkt werden wird.

Im September 2020 und somit nur wenige Monate vor Ausbruch der Pandemie einigten sich AB InBev und die britische Fußballliga Premier League über eine langfristige und exklusive Ausschanklizenz. Bei Heimspielen von Vereinen wie Manchester United, Arsenal London oder Chelsea FC wird es kein anderes Bier geben. Auch in der spanischen La Liga bestehen langfristige Exklusivverträge.

Für die Zukunft – sobald also wieder Veranstaltungen mit Live-Publikum durchgeführt werden – ist AB InBev sehr gut aufgestellt. Sobald die beiden Top-Ligen wieder ihren Spielbetrieb mit Publikum im Stadion aufnehmen können, wird AB InBev ebenfalls kräftig absahnen. Die Spiele von Top-Vereinen wie Manchester United, FC Liverpool, Real Madrid, FC Barcelona sind stark besucht. Hochgerechnet kann AB InBev mit der neuen Partnerschaft rund 3 Mrd. Konsumenten erreichen. Da es auch in China einige leidenschaftliche Fußballfans gibt, hat dieser Deal auch eine große Strahlkraft um den gesamten Globus.

Langsamer, aber stetiger Aufstieg aus dem Absatztal

Es geht wieder aufwärts. Das erste Halbjahr 2021 lief gut für der größten Bierbrauer der Welt, die Zahlen stimmen zuversichtlich. Wegen des coronabedingt eingefrorenen Gastronomie- und Eventsektors brachen Umsatz und Gewinn vor einem Jahr auf Tiefstwerte ein. Nun erholte sich der Nettogewinn wieder spürbar. Wo AB InBev im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von gerade mal 351 Mio. USD ausweisen konnte, stehen nun immerhin wieder 1,9 Mrd. USD.

Der Konzernumsatz konnte um 27,6 % zulegen und nun einen Wert von immerhin wieder 13,5 Mrd. USD erreichen. Die drei Premium-Marken (Budweiser, Stella Artois, Corona) legten weltweit um 23 % zu. Die Erholung hat sich im zweiten Quartal beschleunigt, sodass man in diesem Dreimonatszeitraum auch wieder von „echtem“ Wachstum sprechen kann. So fulminant die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2021 gegenüber 2020 auch aussieht, viel aussagekräftiger ist der zusätzliche Vergleich mit Ergebnisse von vor zwei Jahren – also vor der Pandemie. Es wurde nämlich nicht nur das zweite Quartal 2020 übertroffen, sondern auch das zweite Quartal 2019. Gegenüber letzterem erreichte AB InBev immerhin ein Plus von 3,2 %.

Der Umsatz erreichte im ersten Halbjahr 2021 wieder das Niveau von 2019, das Absatzvolumen gegenüber dem vor zwei Jahren konnte sogar wieder leicht gesteigert werden. Dies war zudem an fast allen Märkten der Fall. In Lateinamerika, dem nach Volumen größten Absatzmarkt des Konzerns, wurden die Verkaufsmengen gegenüber 2019 um 7,6 % gesteigert. Am zweitgrößten Markt Mittelamerika (inkl. Mexiko) stieg der Absatz um 5,0 %. Die Gewinne liegen weiterhin hinter den Werten von vor zwei Jahren zurück, sind aber auf Erholungskurs.

Innovationen mit Bedacht, aber dann dafür richtig 

Anfang 2020 warfen aktivistische Aktionäre AB InBev vor, das Seltzer-Geschäft verschlafen zu haben. Dabei handelt es sich um einen neuen Getränketrend aus den USA. Sprudelwasser wird mit Alkohol und (meistens) Fruchtgeschmack gemischt und schon hat man „hartes Sprudelwasser“ (engl.: hard seltzer). Tatsächlich waren Wettbewerber in diesen Markt schon einige Jahre zuvor eingetreten. AB InBev hielt sich zunächst zurück.

Mittlerweile hat der weltgrößte Bierbrauer die einstigen Pioniere dieser neuen Marktnische abgehängt. Die anfängliche Zurückhaltung, als sich diese Nische noch in einer sehr frühen Phase befand, war nur Strategie. Manchmal können Trends schneller verfliegen, als wir gucken können. Statt also von Anfang an viel Geld in den Aufbau neuer Marken zu stecken, kann es sich als klug erweisen, sich erst einmal zurückzulehnen und die Sache aus der Ferne zu beobachten.

Jetzt wo sich abzeichnet, dass aus der Seltzer-Sache ein langfristiges Geschäft werden kann, ist AB InBev voll dabei. Wichtigste Marken, mit denen AB InBev nun auch den europäischen Markt erobert, sind Bud Light Seltzer und Mike‘s Hard Seltzer. Bei letzterem war der Produktstart in Großbritannien ein voller Erfolg. Nun ist das europäische Festland dran. Erste Länder, in denen es das sprudelnde Trend-Getränk gibt, sind Belgien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande.

Der Markt wurde 2020 auf ein weltweites Gesamtvolumen von 4,5 Mrd. USD geschätzt. In den nächsten Jahren wird ein jährliches Wachstum von grob 16 % erwartet. Sollte dem so sein, würde der Seltzer-Markt im Jahr 2027 ein Volumen von 14,5 Mrd. USD erreichen. AB InBev schaffte zuletzt in diesem Segment ein Wachstum von 28 %. Der Konzern wächst in diesem Segment also deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

Dividende im Moment schwach, aber mit Perspektive

Die Dividende lässt im Moment zu wünschen übrig. Diesen April erfolgte erneut eine herbe Kürzung. Bislang war die Schlussdividende für das abgelaufene Geschäftsjahr immer höher als die Zwischendividenden, die es üblicherweise schon im November, also noch während des vierten Quartals, gibt. Dem ist jetzt nicht mehr so. Nachdem es im November des letzten Jahres 0,50 EUR gab, blieb dieser Betrag auch bei der Schlussdividende.

Insgesamt gibt es im Moment also 1,00 EUR je Anteilsschein. Zuvor waren es immerhin noch 1,50 EUR. Die jetzige Ausschüttungsquote, sowohl zum Gewinn (41 %) als auch zum freien Cashflow (26 %) sind nun aber derart niedrig, dass dies zumindest mittelfristig auf eine Wiederanhebung der Dividende hoffen lässt. Spätestens, wenn das Management seinem Ziel, die Schulden zu reduzieren, näher ist, sollte es wieder eine höhere Ausbeute geben.

Die starke Markposition ist stabil

Bei allen Herausforderung, denen sich AB InBev in den letzten Jahren stellen musste – der Bier-Gigant sollte dies packen. Dafür spricht schon allein die starke Marken- und Marktposition. Trotz Absatzkrise – die nicht hausgemacht ist – genießen die Marken des Konzerns bei den Verbrauchern eine hohe Akzeptanz. Sobald die Erholung einsetzt und AB InBev sich seinem normalen Verkaufsvolumen wieder annähert, wird der Konzern wieder zu alter Absatz-Blüte zurückkehren. Für das eine oder andere Craft-Beer- oder Hard-Selters-Startup kann es bis dahin zu eng geworden sein. Der Wegfall solcher Konkurrenten würde dem weltgrößten Brauereikonzern nur zusätzlich in die Hände spielen.

Bier wird überall auf der Welt getrunken und überall auf der Welt dominieren die Marken von AB InBev. Schätzungsweise jedes dritte auf der Welt getrunkene Bier stammt aus den Produktionsanlagen dieses amerikanisch-belgischen Brauereikonzerns. Wir sind überzeugt: Als Nr. 1 der Branche wird AB InBev seinen Weg gehen und so gut wie jede Krise überstehen.

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